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Gratulation an Linux. Es geht inzwischen sehr komfortabel

Eine Geschichte über Hardware, Provider, Linux und wie ich erstaunt bin, wie einfach es heutzutage geht.

Und diese Geschichte ist hauptsächlich für die Leute, die unter Windows aufgewachsen sind und für die Linux ein fremdes Betriebssystem ist, als auch für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen sowas mal selbst anzuschaffen.

Es geht darum, dass ich mir einen LinuxServer als Internetserver angeschafft habe.
Als jahrzehntelanger Windows-User bin ich es gewohnt das alles über eine grafische Oberfläche gesteuert wird und nahezu jeder (fortgeschrittene) User sich einen Internetserver unter Windows zusammenklicken kann. Was so mancher ja auch macht und mit DDNS im Netz verfügbar macht.

Meine erste Erfahrung mit Linux lag irgendwann um 1995 mit Suse-Linux. Da fing es an, dass man mit (wie hieß es? Yast?) sich den Rechner zusammenklickte und da zuerst mal der Kernel kompiliert wurde etc. Ein Greuel, weil man nicht weiß, was die Maschine macht und warum.
Man ist ja die Einfachheit einer Windows-Distri gewohnt. (OK damals Win95, es nannte sich zumindest Betriebssystem und heute bin ich schlauer  :-)  )
Wollte man etwas am Linux ändern… Shell öffnen, rumfragen wer sich auskennt, bei 3 Fragen 77 Antworten bekommen, die wieder 88 Fragen erzeugten. Internet als Quelle war noch in den Kinderschuhen!!!. Also Linux als Alternative wieder weggelegt.
Das machte ich in unregelmäßigen Abständen, wobei für einen Verein sogar mal ein Internetserver bei 1&1 angeschafft wurde. Da musste ich mich mit Perl auseinander setzen. Ich hasse es heute noch, wobei es vermutlich die schnellste filebasierte Datensprache ist, die ich jemals kennen gelernt habe.

Aber zurück zum neuen Server.
Als Provider stand fest, dass ich den hernehme, bei dem ich unter Windows bereits meinen Server habe (ist *nur* virtuell, aber inzwischen finde ich das eine geile Sache)
Da ich schon eine Kundennummer habe, habe ich am Mittwoch um ca. 20:05 Uhr die Bestellung des Servers via Webseite weg geschickt.
  • Um 20:12 kam die Bestellbestätigung,
  • Um 20:14 die Auftragsbestätigung
  • Um 20:16 die “Vielen Dank für Ihre Bestellung” Mail
  • Und um 20:44 kamen die Zugangsdaten vom fertig installierten Server.

Nur weil es vom Spamfilter abgefangen wurde habe ich es erst am nächsten Tag entdeckt.
Der Service ist da echt super. Musste einmal den Support bemühen, und eine Mail senden. Aber weil das scheinbar intern ein Admin selbst bemerkte, dass da was nicht stimmt, wars schneller wieder gefixed, als ich die Antwort des Supports hatte.

Zum neuen Server:

Es ist mit 16.99 im Monat nicht gerade viel zu erwarten, aber…

Flatrate, 100 Gig Platte, 2 garantierte Gig Speicher und echt flott was ich so feststellen kann. Das habe ich bereits unter Windows am laufen und im Taskmanager sehe ich 16 Prozessorfenster. 2 Cores sind mir garantiert aber ich “darf” mehr verwenden, wenn nichts los ist.
Der Server selbst hat scheinbar 64Gig Hauptspeicher, weil 57 als Systemcache zur Verfügung stehen. Also habe ich wohl so 10-15 “Nachbarn” auf der gleichen Hardware, wenn überhaupt.

Nun musste ich zuerst mal unter Windows die Sicherungen der Webseiten und Datenbanken machen.
Es kommen vorerst mal 2 Webseiten drauf.

Meine private Homepage (Ihr seid gerade zu Besuch), eine WordPress-Installation
und eine Webseite meines Kunden, eine Joomla-Seite.

Da war ich sehr überrascht. Die Joomlasite hat 1.9 Gigabyte an Files. Der Kunde hat für seine Kunden da Unmengen an Supportfiles reinkopiert. Na egal. Aber… die MySql-Datenbanksicherung hat mehr als 900 MB.
Das könnte ein Problem werden… Aber dazu später.

Um es einzurichten und zu testen habe ich mir 2 neue Subleveldomains erzeugt und …
Mein Provider bietet mir sowohl Parallels Infrastrukture Manager (bekannt als Powerpanel) und Parallels PLESK zur Verwaltung an.
Ich war also in der Lage alles per Mausklick zu erledigen. Kommt mir als Windows-verwöhntem sehr zugute.
Die Domains konnte ich erfassen, FTP-Zugänge konfigurieren und habe sogar eine Rootshell via JavaApp zur Verfügung.
Sogar der Zugriff auf Dateien Resourcen, Dienste, Module ja nahezu alles was man braucht wird einem da in einer modernen Webseite zur Verfügung gestellt.
Ich kann sogar meinem Kunden einen eigenen Zugang zu einer eigenen Plesk Oberfläche einrichten, sodass die Rootshell gar nicht benötigt wird und andere die Verwaltung der Kundendomain übernehmen können.
Da muss ich sagen:

Hochachtung.
So komfortabel hätte ich es nicht geschafft innerhalb von nur 3 Stunden alles einzurichten.
Meine private Homepage (diese hier) ging nach bereits einer Stunde am neuen Server “Online”
Bei der Kundenwebseite muss ich warten bis deren Provider den DNS umstellt auf die neue IP.
Aber sonst ist alles schnell rüber gegangen.

Die PHP-Seiten etc habe ich mit FTP rüber gesendet. Da ja beide Server im gleichen internen Netzwerk liegen, wird zwar der DNS bemüht aber es ging mit 100MBit von A nach B weil ja keine aussenliegenden Router dazwischen liegen. Immherin hatte ich so 2,5 Gig zu kopieren.
Alleine die MySQL Datenbank konnte ich nicht via phpmyadmin einspielen. da es mit knapp einen Giga doch zu viel ist um als HTTP-POST rüber zu kommen.
Das war auch der einzige Punkt, wo ich tatsächlich die Rootshell brauchte.

Die Sicherung habe ich per FTP rüber kopiert und den mysql-Befehl zum Restore musste ich tatsächlich “zu Fuß” eintippen.
Alles andere konnte ich tatsächlich menügeführt via PLEX-Webseite erledigen.

Ein Problem hat mich dann doch noch aufgehalten.
Ich bekam den Fehler “Allowed memory size of xxxxxx bytes exhausted” und musste erst danach Googlen.
Aber es war schnell gefunden, dass die php.ini zu ändern sei.
Die war auch schnell gefunden und geändert. Aber… Der Fehler ging nicht weg.
Ich musste also nochmal suchen und fand die Erklärung in einem Neustart des Apacheservers.
Das konnte ich lustigerweise auch über die Webseite erledigen.
Und schon waren meine Probleme gelöst,

Also es hat sich viel getan auf Linuxseite. Und es ist für den fortgeschrittenen Laien (seltsame Beschreibung, ich weiß  :-) ) durchaus möglich sowas in die Gänge zu bekommen.
Da auch Firewall etc über die Webseite verwaltet werden kann, sollte eine gewisse Vorbildung vorhanden sein, denn man kann auch mal schnell alles für Hacker aufmachen oder sich selbst aussperren.

Aber ich bin begeistert, dass es inzwischen auch ohne Studium möglich ist, schnell, einfach und sicher einen Server unter Linux in Betrieb zu nehmen, wenn man sich … etwas weniger … unter Linux auskennt.

Es wird jetzt vermutlich den einen oder anderen geben, der davor warnt, bloß nicht einfältig einen Server in Betrieb zu nehmen, der womöglich offen wie ein Scheunentor ist und jedem Warez-Vertreiber einen Unterschlupf gibt oder ähnliche Messages. Oder (wie ich es schon erlebte) sieht der eine oder andere seinen Berufsstand gefährdet, weil es nicht sein darf, dass jeder Hinz und Kunz aufgrund einer Beschreibung aus dem Internet seinen eigenen Server zusammen stoppelt.

Ich muss darauf hinweisen, dass ich in meiner Laufbahn schon so um die 50 Server installiert habe, Firmennetzwerke mit zig Workstations unter mir hatte, sogar Glasfasernetzwerke dabei waren und ich auch schon in die Falle tappte, dass ein Routing über “alte” Switche teilweise schiefgehen kann, weil die MTU der Geräte unterschiedlich ist etc.
Aber es war eben noch nie ein Linux dabei, wo Rootzugriff möglich ist.

Also… Es sind “nur” Computer, keine geheimen Bruderschaften oder Geheimnisse dahinter. Jeder, der willig ist zu lernen, kann seinen eigenen Server machen. Obs Sinn macht oder nicht, sei man dahin gestellt. Aber gerade für die Jungen unter euch. Ihr lernt sehr viel dabei und jede unbekannte Beschriftung eines Buttons ist der Hinweis, dass es wieder was Neues zu lernen gibt.

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