Rss

das letzte Abendmahl

 Aus Vorbei, der letzte Teller ist gegessen.

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Eine Nacht noch, dann komme ich wieder nach Hause. Oder zumindest dorthin, wo ich lebe.

Nach drei Wochen Rehaklinik wurde ich bei der Visite gefragt “Und, was hats gebracht?”
Ich konnte nicht sagen, dass es schlechter wurde, also habe ich mich auf ein “leider nichts” eingelassen.

Ja, es ging mir vorher besser. Der Aufenthalt hier hat mir neue Medikamente gebracht, aber leider keine bessere Wirkung.
Na wie denn auch? In den neuen Kapseln ist der gleiche Wirkstoff nur eben konzentrierter.

Ich habe bei der Schlussvisite eingewilligt, dass der Oberarzt reinschreibt, dass eine Besserung eingetreten ist, damit er keine Probleme bekommt, denn der Aufenthalt war ja nicht gerade billig.

Er hat mir auch mit Freude einen Verordnungsschein für ein Motomed ausgestellt.
Eine Art Fahrrad, welches einen stützenden Motor eingebaut hat und auch kontrolliert, wie viele Prozent Leistung man auf die Pedale bringt
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Zurückgelegter Weg, Leistung, Trainingsdauer etc lässt sich auch einstellen. Damit möchte ich meine Kraft wieder bekommen.

Und zuletzt möchte ich von einem Mann erzählen.

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Sein Gesicht habe ich absichtlich unkenntlich gemacht, weil er nicht weiß, das ich über ihn schreibe.

In den drei Wochen saßen wir uns beim Mittag- und Abendessen immer gegenüber. Er war Anfangs so ein grimmiger Kerl, einer der einen anbellt. So zumindest kam es mir vor.
Wir haben selten miteinander geredet, aber es wurde eine seltsame Beziehung.

Mit der Zeit erfährt man Kleinigkeiten voneinander. So erfuhr ich, dass er seit 8. Januar im Krankenhaus, bzw. in der Reha ist.
Ein Schlaganfall hat ihn teilweise gelähmt und er konnte Anfangs nicht mehr gehen und seine linke Hand nicht mehr verwenden.

Er war schon mehrere Wochen vor mir in der Klinik und muss noch weitere zwei Wochen bleiben.

Anfangs nur im Rollstuhl kam er plötzlich einmal mit dem Rollator daher. Ich begegnete ihm auch in der Caffeteria, wo er mir dann erzählte, dass er eigentlich nicht alleine runter dürfe.
Immer öfter sah ich, dass er zu Fuß unterwegs war und immer öfter, dass er seine linke Hand bewegte.

Schon fast neidisch war ich, dass er Fortschritte machte und meine Fortschritte sich darauf begnügten, dass ich mit der Menge an harten Opiaten die Schmerzen in den Griff bekommen konnte.

Wir unterhielten uns sehr… sehr leise. Nur wenig, aber doch interessiert.
Wir bemerkten beide, dass zu wenig Salz im Essen war, worauf wir uns gegenseitig ohne etwas zu sagen den Salzstreuer reichten.
Oder wir bewunderten die kleinen Nachtisch-Kreationen, wo sich der Dessert Koch wirklich Mühe gab.

Zuletzt heute wurde einer der beiden Damen am Tisch eine Suppe angeboten. Wir beide sind Suppenverweigerer und schauten trotzdem interessiert in die Suppenschale der Dame.
Bärlauchsuppe….
So sah sie auch aus und wir schauten uns beide an und mussten grinsen.

Ich war meistens der erste der sich vom Tisch wieder entfernte und weil es das letzte mal war, dass wir gemeinsam am Tisch saßen, rollte ich zu ihm hin und verabschiedete mich mit einem Händedruck von ihm.

Er hatte Tränen in den Augen und wir verabschiedeten uns in der Gewissheit, dass wir uns nie mehr wiedersehen werden.
Interessant ist, dass er meinen Namen nicht kennt und ich nicht den seinen.
Aber ist das nicht egal ?

 

 

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